Zurück zu deiner Wut: Von Feindin zur Freundin (ein möglicher Reisebericht)


Deine Reise zu deiner Wut beginnt wahrscheinlich leise. Oft startet sie aus einer tiefen Sehnsucht oder sogar Verzweiflung heraus, weil du möglicherweise spürst, dass dir eine wichtige – nicht ganz greifbare – Fähigkeit fehlt. Die Beziehung zu deiner Wut erscheint zunächst vllt. ambivalent: Wenn sich unter ihre Ablehnung auf einmal eine unbekannte Sehnsucht mischt, kann das durchaus verwirrend sein.

Der erste Sturm: Befreiung und Wildheit

Doch sobald du dich auf den Weg machst und die Blockaden eingerissen hast, die dich zuvor festgehalten haben, kann ein Sturm folgen. Es kann ein Wegstück sein, das laut ist, ungehemmt, wild und voller Energie. Und häufig – nach dem ersten Schreck – kann dieser Prozess sogar Spaß machen (Ausdruck von Wut setzt Dopamin frei)!

Das kann der Moment sein, in dem du der alten Wut endlich Raum gibst. Du kannst sie aus ihrem Gefängnis entlassen, in das du nicht nur sie, sondern damit auch einen großen Teil von dir selbst gesperrt hast. Versteh mich nicht falsch: Auch wenn du hier ein riesengroßes Stück befreist und Wildheit zulässt, bedeutet das nicht, dass du dem permanent völlig ausgeliefert bist. Es ist durchaus möglich, die Räume – also Zeit, Ort & Art des Ausdrucks – selbst zu bestimmen, in denen du diese Kraft loslässt.

Ungebremst ausbrechen und zerstörerisch im Außen wüten – das tun unterdrückte Energien, die sich selbst befreien wollen. Du kannst jedoch lernen, diese Kraft bewusst zu regulieren.

Das Tief und die Konfrontation mit Grenzen

Nach dieser Phase der lauten Expression, in der du all das Alte fließen lässt, kann ein Tief folgen. Du bist nun möglicherweise vertraut mit der unglaublichen Kraft, die in dir geschlummert hat, und begreifst langsam ihre Qualität, Doch kennst du nun vor allem vmtl. zwei Zustände: Den der kompletten Unterdrückung (Depression) und den der ekstatischen Expression.

Außerdem bemerkst du vllt. nach und nach immer mehr Bereiche in deinem Leben, in denen du deine eigenen Grenzen bisher übergangen hast oder übergehen hast lassen. Du kannst alte Wunden teilweise klarer in ihrem ganzen Ausmaß sehen. Wenn du nun beginnst, Grenzen zu ziehen und für dich einzustehen, kann das zur Folge haben, dass Menschen gehen.

Das ist in dieser vulnerablen Phase der inneren Umstrukturierung erstmal eine zusätzliche Belastung und lässt dich möglicherweise an diesem Weg zweifeln. Aber wenn du bereits mit deiner Wut in Kontakt gekommen bist und damit ein ganzes Stück näher an deiner inneren Wahrheit stehst, wirst du deine innere Stimme vmtl. lauter sprechen hören als diese Zweifel. Sie wird dir wahrscheinlich sagen, dass du den Weg weitergehen musst.

Die alte Haut abstreifen

Die Menschen, die jetzt gehen, die Situationen, die sich verändern, die alten Wunden, die du jetzt fühlst – all das ist aus den Strukturen entwachsen, die entstanden sind, als du in der eigenen Unterdrückung gelebt und verweilt hast. Sie haben dich gefangen gehalten. Strukturen, die dir jetzt zu eng geworden sind und abgestreift werden dürfen, wie eine alte Haut.

Darunter wartet etwas Neues, noch zartes und vulnerables. Es ist wichtig, dass du jetzt bei deiner Wahrheit bleibst, auch wenn hier und da der verlockende Ruf erschallt, dich wieder in deine alten Muster zu fliehen. Alles, was jetzt kommt – das Unbekannte – mag dir bisweilen gruselig erscheinen. Doch gerade im Unbekannten wartet so oft die Freiheit!

Die Freiheit, DU SELBST zu sein! Mehr und mehr zu dem zu werden, was du tief in dir schon immer warst. Die Freiheit, dich auszudrücken, deine eigene Wahrheit zu sprechen und zu leben. Trau dich! Geh weiter, wenn du diese Sehnsucht verspürst. Vielleicht mag dir dieser Weg auch erst einsam erscheinen, aber wenn du ihn weitergehst, wirst du vmtl. neue Weggefährt*innen treffen, die sich ebenso wie du auf diesen Weg gemacht haben. Du kannst Beziehung noch einmal neu erleben: leicht, authentisch, fließend, wertschätzend und v.a. Grenzen wahrend.

Von Explosionen zu innerer Klarheit

Die Zeit der Integration kann unbequem sein. Du lernst nicht nur ganz neue Fähigkeiten, sondern musst auch immer wieder Mut aufbringen, von deinen alten, vertrauten Mustern abzulassen. Und das in Eigeninitiative! Du kannst dir natürlich Unterstützung zur Seite holen und den Weg mit anderen teilen – aber am Ende musst DU ihn gehen. Selbst ermächtigen kannst du dich nur selbst.

Auf fortgeschrittenen Pfaden wirst du deine Wut vmtl. noch einmal in neuer Qualität kennenlernen. Je vertrauter du mit ihr wirst, desto früher nimmst du sie wahr – umso ruhiger kann sie also auch werden. Ihr Ausdruck wandelt sich dann häufig von lauten, sichtbaren Explosionen hin zu innerer Klarheit und Führung. Abgrenzung kann dann früher passieren und bedarf keines Lautseins mehr. Du bemerkst dann vllt. eine innere Grenze und wirst fähig sein, ihr zu folgen, also die Richtung zu wechseln – ruhig, in Frieden, aber ganz klar. Verbunden mit dir und deiner Wahrheit, ohne dass erst ein wilder Ausbruch oder Legitimation im Außen nötig wären.

Wut kann somit immer mehr zu einer Kraft werden, die dich im Innen stärkt, einfach bei dir zu bleiben, und Energie liefert, deine Entscheidungen auch umzusetzen. Und sollte es eine Situation im Außen nötig machen, doch einmal schnell, laut und expressiv zu handeln, dann weißt du sie nun an deiner Seite und dass sie es vermag, dich zu schützen – wenn nötig bis aufs Blut!

Na? Begibst du dich mit mir und all den anderen starken Menschen auf den Weg der Selbstermächtigung?

 

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